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Der BK beim EduCamp Frankfurt 2014

BarCamps sind ein relativ neues Format in der Bildungslandschaft. Andererseits – auch wieder nicht so neu, als dass es am Wochenende 11.-13. April 2014 nicht schon das 13. EduCamp seit 2008, dieses Mal in Frankfurt am Main, stattgefunden hätte. Die „alten Hasen“ werden also widersprechen, dennoch gibt es im Bildungsbereich noch viele Akteure, denen die Methode des BarCamps neu sein dürfte.

Prinzipiell ist ein BarCamp eine „Unkonferenz“, quasi eine partizipativ veranstaltete Tagung, die verschiedene Grade der thematischen Offenheit kennzeichnen kann, immer jedoch die Symmetrie in der Beziehung aller Mitmachenden zu einander betont. Die Mitwirkenden werden deshalb als Teilnehmer*innen konsequent als „Teilgeber*innen“ bezeichnet. Das EduCamp ist ein Spezial-BarCamp und widmet sich „hauptsächlich medienpädagogische[n] Fragen sowie generell auch Formen und Methoden des Lehren und Lernens […]. Inhaltlicher Schwerpunkt ist dabei zumeist der Einsatz von Medien – vor allem von Neuen Medien – im Bildungskontext an Schulen und Hochschulen sowie im Unternehmensumfeld.“ (Wikipedia).

Zum ersten Mal gastierte das EduCamp nun also in Frankfurt am Main. Neugierig darauf und mit dabei: BK-Vorstandsvorsitzender Alexander Wicker. Eiserne Regel für alle, die zum ersten Mal dabei sind, ist es, eine eigene Session anzubieten. (Zumindest wurde das recht eindrücklich vermittelt.) Sessions – so werden die Programmpunkte genannt, die jeweils am Morgen der Veranstaltungstage gemeinschaftlich erarbeitet und dann zu einem Sessionplan zusammengefügt werden. Der Fokus auf Medienpädagogik beim EduCamp impliziert an sich schon eine gewisse Technikaffinität der Teilgeber*innen. Wie man sich dort aber die Möglichkeiten des kollaborativen und vernetzten Arbeitens konsequent zunutze macht, das ist schon beeindruckend. Wer stets in das eigene Smartphone oder Tablet vertiefte Menschen schwer erträglich findet, hat bei dieser Veranstaltung sicher keinen Spaß. Das verbreitete Vorurteil, so würde Kommunikation bestenfalls trotz gleichzeitiger Präsenz am selben Ort paradoxerweise ins Digitale verlegt – und schlechtestenfalls gleich ganz verhindert, findet hier jedoch keine Bestätigung. Face-to-face- und digitale Kommunikation (vornehmlich über Twitter) koexistieren friedlich und sogar recht fruchtbar. Wer auf Twitter Nachlese betreiben möchte, kann das hier unter dem Hashtag #ecfra14 tun.

So wurden auch die Demokratiewerkstätten beim EduCamp vorgestellt. Durchaus kritisch wurde in der Session über politische Bildung allgemein diskutiert und das Verständnis, das der BK davon hat. Die Verbindung von Demokratiewerkstätten und Medienpädagogik müsste jedoch beim nächsten Mal in den Fokus der Betrachtung gerückt werden. Die Teilgeber*innen vor Ort könnten so ihre versammelte Kompetenz besser einbringen. Die Demokratiewerkstätten würden davon sicher profitieren. Zum Nachlesen gibt es eine Art Storify der Session hier. Besonders eindrücklich war die Routine der Besucher der Session, kollaborativ einfach eine Art Protokoll zu fertigen. Hierfür war für jede Session ein eigenes Etherpad (ein gemeinschaftlich zu bearbeitendes Dokument im Internet) hinterlegt, das fleißig gefüllt wurde, ohne, dass es extra abgesprochen werden musste. Wer die Diskussionen kennt, die mit dem Finden eines oder einer Protokollant*in in so mancher Vorstandssitzung oder Mitgliederversammlung verbunden ist, wird über die Selbstverständlichkeit dieser Vorgehensweise erstaunt sein.

Gemeinsam mit Anna Charlotte Turré vom langjährigen BK-Kooperationspartner Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. bot Alexander Wicker dann auch eine zweite Session an. Später sprachen die beiden im Offenen Podcast-Studio über die Session und ihre Erfahrungen als „Newbies“, also Erstteilgeber*innen am EduCamp. Tine Nowak, die privat den Podcast Kulturkapital betreibt, bot das Offene Podcast-Studio an, ließ die EduCamper im angenehmen Plauderton an ihren wertvollen (sowohl technischen als auch inhaltlichen) Erfahrungen aus dem Bereich der Audio-Podcasts teilhaben und dokumentierte fast nebenbei auch noch das EduCamp (zu-)hörenswert.

Die Etherpads hatten einen weiteren faszinierenden Effekt. Die Ankündigung, eine Session über digitale Erinnerungskultur zu machen, wurde extern wahrgenommen. Der Twitter-Account @t4eu, der zum Digitalen Gedenkort T4 gehört, äußerte sein Interesse an den Ergebnissen, die im Anschluss an die Session mittels des Links zum Etherpad sogleich geteilt werden konnten.

Insgesamt war das EduCamp eine absolute Bereicherung des Methodenportfolios. Es bietet sich zu vielerlei (nicht zu allen) Gelegenheiten als Organisationsform einer Tagung an und macht sogar Spaß.

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„ICH BIN EINE KÄMPFERIN!“ – Zeitzeugengespräche mit Frida Raisman ein voller Erfolg

Im Zuge des „Unternehmens Barbarossa“, des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion ab dem Juni 1941, wurde das belarussische Minsk schnell von der deutschen Wehrmacht eingenommen und besetzt. Innerhalb weniger Tage begannen Wehrmacht und SS mit der Errichtung eines Ghettos und der Inhaftierung der jüdischen Minsker Bevölkerung, welche damals 75.000 Menschen betragen haben mag.

Frida Raisman, 1935 in Minsk geboren, kam im Alter von sechs Jahren in das dort errichtete Ghetto, gemeinsam mit ihren zwei Brüdern und ihren Eltern. Sie konnte fliehen und überlebte dank der Hilfe mehrerer weißrussischer Bauernfamilien das deutsche Terror-Regime. Von ihren Erlebnissen berichtete sie jetzt in insgesamt acht Veranstaltungen zwischen dem 29. und 31. Januar 2014, die der Büdinger Kreis e. V. (BK) zusammen mit der Bildungspartner Main-Kinzig GmbH und dem ehemaligen Fortbildungsdezernenten im Staatlichen Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis, Heinrich Georg Semmel, organisiert hat.

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An der Adolf-Reichwein-Schule in Rodenbach wurde zur Begrüßung gar gesungen

Unterstützt wurde das Vorhaben durch das Zentrum für Regionalgeschichte des Main-Kinzig-Kreises und den Landesverband Hessen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung förderte die Transferkosten von Frau Raisman mit einem kleinen Betrag, der Hanauer Geschichtsverein 1844 e. V. übernahm einen Teil der Übernachtungskosten.

„Was könnte die Welt gewinnen, wenn ich getötet würde?“ – FRIDA RAISMAN

Vier Monate nach der Errichtung des Ghettos begannen Deportationen jüdischer Bürger aus Großstädten in Deutschland, aus Wien und aus der besetzten Tschechoslowakei nach Minsk. Am 11./12. November 1941 wurden aus Frankfurt über 1.000 Menschen jüdischen Glaubens in das Ghetto Minsk deportiert, die größtenteils vorher in Gemeinden des Frankfurter Umlandes lebten. In Minsk selbst wurde zuvor für die deutschen Juden „Platz geschaffen“: In groß angelegten Erschießungsaktionen wurden etwa 12.000 einheimische Juden ermordet. Bis auf elf Personen wurden alle Frankfurter Deportierten im Ghetto oder am nahen Vernichtungsort Maly Trostenez ermordet.

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Frida Raisman im Gespräch mit Schüler*innen der Bertha-von-Suttner-Schule in Nidderau

Die Fragen, die Frau Raisman gestellt bekam, sei es nun von Schülern einer Frankfurter 10. Hauptschulklasse, von ehrenamtlich in Geschichtsvereinen Engagierten oder Mitgliedern der Frankfurter alevitischen Gemeinde, ähnelten sich. Immer war das tiefe Bedürfnis zu spüren, das Grauen, das die deutschen Besatzungstruppen damals in Minsk verbreiteten, irgendwie erfassen, ja im Wortsinne begreifen zu können. Unvorstellbar, dass die Häftlinge des Ghettos einfach ihrem Schicksal überlassen wurden, es nichts zu essen oder auch nur sauberes Trinkwasser gab. Immer wieder wurde Frau Raisman auch danach gefragt, ob sie nicht zu irgendeinem Zeitpunkt die Hoffnung aufgegeben habe. Doch Raisman, die sich heute als Vorsitzende eines Vereins von Überlebenden des Ghettos engagiert und in dieser Eigenschaft bereits mehrere Bücher publiziert hat, antwortete auf diese Frage regelmäßig, sie sei eine Kämpferin. Ihr Auftreten ließ die Schüler*innen und das ganze Publikum sie rasch ins Herz schließen. Auch die unverkrampfte Art der heute 78-Jährigen, mit Deutschland umzugehen, der Herkunft ihrer Peiniger, das sie bereits seit 1999 kontinuierlich bereist, beeindruckte die Zuhörer*innen nachhaltig. Frida Raisman möchte vor allem junge Menschen „im Herzen berühren“, wie sie sagt. Spätestens, wenn die Sprache auf ihren mittleren Bruder kam, der ausgerechnet am 29. Januar 1942, also auf den Tag genau 72 Jahre vor dem ersten Tag ihres Besuchs in Hessen, von seinem Einsatz in der Zwangsarbeitskolonne nicht zurückkehrte, ist genau das im Publikum zu spüren.

„Nicht der Hass und die Gewalt werden die Welt retten, sondern die Schönheit, die Liebe und die Herzensgüte.“ – FRIDA RAISMAN

Bei allen Veranstaltungen wurden die belarussischen Besucher herzlich willkommen geheißen. Einen außergewöhnlichen Rahmen hatte sich die Adolf-Reichwein-Schule in Rodenbach einfallen lassen. Zur Begrüßung sangen die Schüler*innen, begleitet von ihrem Musiklehrer am Flügel, das Lied „Traum vom Frieden“ des Liedermachers Hannes Wader und bereiteten Frida Raisman damit einen besonders stimmungsvollen Empfang.

Besonders greifbar wurden die Berichte über die Deportationen aus Deutschland naturgemäß weniger über die Zahlen, sondern über lokale Einzelschicksale, über die immer wieder Informationen in die Gespräche eingestreut wurden. Viele der Frankfurter Deportierten waren im Zuge der bereits Jahre anhaltenden Judenverfolgung zuvor aus dem Umland (z. B. aus den Gemeinden Hanau, Nidderau, Rodenbach, Gelnhausen oder Bensheim) nach Frankfurt gekommen, weil die Stadt ein höheres Maß an Anonymität versprach.

Frau Raisman und ihr Übersetzer, der pensionierte Minsker Linguistikprofessor Alexander Ladisow, waren auf Einladung des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerkes Dortmund (IBB) und der Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft (EVZ) gemeinsam mit vier weiteren Zeitzeugen*innen nach Deutschland gereist, wo sie in Berlin am 27. Januar zunächst Gast bei der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages für die Opfer des Nationalsozialismus war. In Trostenez soll 2014 der Grundstein einer Gedenkstätte für die ermordeten Juden aus Minsk sowie aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei dorthin verschleppten gelegt werden. Das IBB engagiert sich in Deutschland für die inhaltliche und finanzielle Unterstützung des Projekts.

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V. l. n. r.: Frida Raisman, Alexander Wicker (Vorstandsvorsitzender des BK), Professor em. Alexander Ladisow (Dolmetscher/Übersetzer)

In Hessen hatten der BK und seine Partner nun acht Veranstaltungen organisiert, überwiegend in Schulen, aber auch beim Main-Kinzig-Kreis und auf Einladung der Alevitischen Jugend Hessen bei der Alevitischen Gemeinde in Frankfurt am Main. Insgesamt erreichten die Veranstaltungen so ca. 800 Menschen.

Zeitzeugengespräche im Raum Frankfurt:

Mittwoch, 29. Januar 2014: Bertha-von-Suttner-Schule Nidderau, Adolf-Reichwein-Schule Rodenbach, Goethe-Gymnasium Bensheim

Donnerstag, 30. Januar 2014: Karl-Rehbein-Schule Hanau (teilöffentlich), Franziskanergymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg, Main-Kinzig-Forum Gelnhausen (öffentlich)

Freitag, 31. Januar 2014: Sophienschule Frankfurt, Alevitische Jugend Hessen in Frankfurt (öffentlich)

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Wieder Rhetorikseminar für DW Hola Hanau

In Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung “Für die Freiheit” organisiert der BK auch dieses Jahr wieder ein Rhetorikseminar für Schülerinnen und Schüler der Demokratiewerkstatt an der Hohen Landesschule. Am 15. Februar macht eine Trainerin die Jugendlichen fit für ein besseres Verständnis von sowie einen bewussteren Umgang mit verbaler und nonverbaler Kommunikation.

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Fortbildungsprogramm Demokratiewerkstätten geht in neue Runde

Es gibt auch 2014 wieder Gelegenheit, sich zum Thema Demokratiewerkstätten bei der Bildungspartner Main-Kinzig (vhs) in Gelnhausen fortzubilden. Wie gewohnt, stehen pro Halbjahr je eine Teamerschulung und eine spezielle Lehrerfortbildung auf dem Programm. Die Termine sind: Teamerschulung für Ehrenamtliche am 6. Mai 2014, 19.00-21.15 Uhr (Kursnummer 1058250, Onlineanmeldung hier möglich); Lehrerfortbildung am 12. Juni 2014, 14.00-17.00 Uhr (Kursnummer 5085010, Onlineanmeldung hier möglich). Die Kursgebühr beträgt € 5,00 und beinhaltet das Schulungsmaterial. Rückfragen sind auch telefonisch (06051-91679-12), Anmeldungen auch per Mail an die BiP möglich.

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Zeitzeugengespräche mit Frida Raisman – Angebot an Schulen, Vereine und Initiativen

Im Juli 1941 zwang die deutsche Wehrmacht die ca. 60.000 jüdischen Bewohner der weißrussischen Hauptstadt Minsk in ein Ghetto. Vier Monate später begannen Deportationen jüdischer Bürger aus Großstädten in Deutschland, aus Wien und aus der besetzten Tschechoslowakei nach Minsk. Am 11./12. November 1941 wurden aus Frankfurt über 1.000 Menschen jüdischen Glaubens ins Ghetto Minsk deportiert, die größtenteils vorher in Gemeinden des Frankfurter Umlandes lebten. Bis auf elf Personen wurden alle Deportierten im Ghetto oder im Vernichtungslager Trostenez ermordet.

In Trostenez soll 2014 der Grundstein einer Gedenkstätte für die ermordeten Juden aus Minsk sowie aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei dorthin verschleppten gelegt werden. Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund (IBB) engagiert sich in Deutschland für die inhaltliche und finanzielle Unterstützung des Projekts. Diese Aktivitäten können bei uns Anlass für Schulen, Geschichtsvereine und Initiativen sein, sich mit der Geschichte und dem Schicksal der deportierten und ermordeten Juden aus den hiesigen Orten zu beschäftigen.

Ein Beitrag dazu können Gespräche mit einer Überlebenden des Minsker Ghettos sein. Frida Raisman, die 1935 in Minsk geboren und als Kind zum Leben im Ghetto gezwungen wurde, wird vom 29. bis 31. Januar 2014 im Raum Frankfurt für Gespräche in Schulen oder im Rahmen sonstiger Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Für die Übersetzung ist gesorgt.

Frau Raisman gehört zu einer Gruppe von Zeitzeugen, die das IBB und die Stiftung Erinnerung, Verantwortung Zukunft aus Anlass des Internationalen Holocaust-Gedenktags 2014 in die deutschen Städte eingeladen haben, von denen 1941 und 1942 Deportationen nach Minsk ausgingen.

Im Main-Kinzig-Kreis wird das Vorhaben unterstützt durch das Zentrum für Regionalgeschichte des MKK, die Bildungspartner Main-Kinzig GmbH, den Büdinger Kreis e. V. sowie den Landesverband Hessen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Eine Förderung des Vorhabens ist bei der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung angefragt.

Zur inhaltlichen Vorbereitung der Gespräche, für die Darstellung der geschichtlichen Zusammenhänge und für regionalgeschichtliche Vorhaben kann Unterstützung angeboten werden. Hierfür steht der ehemalige Fortbildungsdezernent im Staatlichen Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis, Herr Heinrich Georg Semmel, zur Verfügung.

Anfragen und Anmeldungen richten Sie bitte an die Bildungspartner Main-Kinzig GmbH, Frankfurter Straße 30, 63571 Gelnhausen, Telefon 06051-91679-12 oder per Mail an demokratiearbeit@bildungspartner-mk.de.

Nachtrag 12.02.2014: Einen Bericht über die stattgefundenen Zeitzeugengespräche finden Sie jetzt auch hier im p|Blog.

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Vertane Chance – Wie man bei einem Rücktritt der politischen Kultur einen Bärendienst erweisen kann

Matthias Platzeck hat mit seinem Rücktritt vom Amt des brandenburgischen Ministerpräsidenten die Konsequenzen aus seiner angeschlagenen Gesundheit gezogen. Nur kurz hat das die Diskussion um die Belastungen erneut entfacht, denen Berufspolitiker in Spitzenpositionen ausgesetzt sind. Und dass diese Diskussion auch in Zukunft nur scheinheilig geführt werden wird, daran hat Matthias Platzeck leider selbst einen Anteil.

Wohlverdiente Anerkennung allenthalben, die ZEIT möchte kein Mitleid empfinden, sondern Anerkennung spenden für den Mann, der „nicht verleugnet, wie mörderisch das Politikgeschäft sein kann.“ Kurz zuvor hatte sich das Hamburger Wochenblatt noch selbst kräftig an den Spekulationen um seinen Gesundheitszustand beteiligt und den Zusammenhang mit seiner politischen Zukunft hergestellt („Risikopatient“). Platzeck selbst hatte als damaliger Hoffnungsträger schon einmal einen Spitzenposten aus gesundheitlichen Gründen räumen müssen, als er nach Kreislaufproblemen und zwei Hörstürzen im März 2006 nach lediglich knapp fünf Monaten vom Vorsitz der Bundes-SPD zurücktrat.

Nun hat er also einen Schlaganfall erlitten und erkennen müssen, dass diese Krankheitsgeschichte mit seinen eigenen, preußischen Ansprüchen an das Amt, das er bekleidet, nicht mehr vereinbar ist.

Nun, vielleicht geht es auch um diese eigenen, vor allem aber geht es um die Ansprüche der anderen, und an Politikerinnen und Politiker sind jene in Deutschland sehr hoch. Die aktuelle GAP-Studie (Gegenseitige Akzeptanz von Politikern und Bürgern) bringt es auf die Formel:

„Der arme Kerl, die arme Frau Abgeordnete. Der Bürger verlangt schier Unmögliches von ihm. Der Abgeordnete merkt diese Überforderung und resigniert, er müsse wohl […] die eierlegende Wollmilchsau geben.“ (S. 62)

Hohe Ansprüche an unsere Volksvertreter*innen zu haben ist nun nicht per se schlecht oder unangemessen. Im Gegenteil. Aber zu erwarten, dass sie Übermenschliches vollbringen, quasi Tag und Nacht, das ganze – selbstverständlich urlaubsarme – Jahr über für uns, ihre Wählerinnen und Wähler zur Verfügung stehen, das ist überzogen und unehrlich, vor allem aber trägt es schon den Keim der Enttäuschung in sich, den derlei überzogene Erwartungen zwangsläufig sprießen lassen.

Soweit, so bekannt. Die Haltung der Bürger, oder besser: der Politiker Wahrnehmung davon, führt häufig zu einem Phänomen, das man vielleicht am ehesten vom Klassentreffen kennt. Jeder versucht, den anderen zu übertreffen, wenn es um die eigene Wichtigkeit geht. Vor allem im Job. „Donnerstag war ich noch in New York bei einer Analystenkonferenz. Ich konnte aber nicht bis zum Ende bleiben, weil bei unserem Merger in Madrid übers Wochenende dringend Entscheidungen gefällt werden mussten. Und Montag geht es in London weiter, da launchen wir…“ Das Businesskasper-Phänomen. (Nur zur Klarstellung, das gibt es nicht nur in der Finanzwelt, sondern in jeder Branche – allein: die Sprache eignet sich so hervorragend zur Illustration.) Der Wettstreit um Wichtigkeit hat viele Währungen: Dienstreisen, Firmenwagen, Firmenkreditkarte, Visitenkarten (unvergessen: Christian Bale in „American Psycho“). Stress, das Synonym für diese Wichtigkeit, drückt sich aber vor allem in einem aus: Arbeitsstunden. Je mehr man davon hat, desto besser; für die Welt der Politik übersetzt: desto reiner ist das eigene Engagement für das Gemeinwohl. Das Argument, man werde ja aus Steuermitteln bezahlt, lauert schließlich hinter jeder Ecke. Man gestünde ja Schwäche zu, fiele man in der „Wertung“ zurück.

Politiker*innen haben nun – vor allem in Spitzenämtern, also als Ministerpräsidenten*innen, Bundestagsabgeordnete, Minister*innen, wahrlich Spitzenwerte bei der Arbeitszeit. Viele Jahre lang war dem „Kürschner“, dem Abgeordnetenhandbuch, ein Kapitel vorangestellt, in dem die durchschnittliche Arbeitswoche eines Bundestagsabgeordneten beschrieben wird. Viele Abgeordnete haben ähnliche, eigene Wochenabläufe online gestellt. Zum einen, um Transparenz herzustellen, das ist löblich, mitunter sogar selbstverständlich. Zum anderen aber auch, um dem Rechtfertigungszwang zu genügen, mit dem Volksvertreter*innen den oben beschriebenen, teils überzogenen Erwartungen der Bürger begegnen.

Matthias Platzeck ist kein Businesskasper. Dennoch hat er sich in der Pressekonferenz, in der er seinen bevorstehenden Rücktritt bekanntgab, zu folgendem Satz hinreißen lassen: „Platzeck,“ habe einer seiner Ärzte gesagt, „40, 50 Stunden kannste gut und gerne arbeiten, und das auch noch zehn Jahre […], aber 80 Stunden: vergiss es!“. Und ergänzt: In 40, 50 Stunden sei das Amt eines Ministerpräsidenten nicht zu bewältigen. Das sei nicht möglich.

Vielleicht wollte Matthias Platzeck nur vorbauen. Er möchte ja Abgeordneter bleiben. Fragen nach der Vereinbarkeit dieses auch nicht ganz unwichtigen Amtes mit seinem Gesundheitszustand wollte er womöglich den Wind aus den Segeln nehmen. Zeitgleich hat er dem Engagement aber ein Preisschild verpasst. Abgeordneter in Brandenburg: 40-50 Stunden pro Woche. Ministerpräsident: 80 Stunden. Roland Koch, sein ehemaliger hessischer Amtskollege, hat sogar mal gesagt, man müsse bereit sein, 100 Stunden zu arbeiten als Ministerpräsident.

Umgekehrt heißt das: Wer nicht bereit oder in der Lage ist, diese Zeit zu investieren, kann kein solches Amt übernehmen. Platzeck sagt das sogar fast wörtlich. Warum eigentlich nicht? Es lag vielleicht nicht in seiner Absicht, aber die Folgen werden nachhaltig sein. Denn solche unnötigen Äußerungen zementieren genau die Erwartungen, an denen manche Politikerkarrieren zerbrechen. Dabei hätte man gerade ihm zugehört, wenn er die überzogenen Erwartungen an Politiker*innen infrage gestellt hätte. Der Bezifferung hätte es nicht bedurft. Die interessierte Öffentlichkeit, so darf nach dem Echo auf seinen Rücktritt gefolgert werden, hätte in jedem Fall Verständnis dafür gehabt, wenn Platzeck seine Gesundheit über sein Amt gestellt hätte. Einfach aus sich heraus begründet, ohne allen die 30 bis 40 Wochenstunden (wenn es nach Koch geht, sind es 50 bis 60 – wer bietet mehr?) vorzurechnen, die angeblich zwischen dem Abgeordnetenmandat und dem Ministerpräsidentenamt liegen. Platzeck hat bei aller Wertschätzung, die ihm zurecht zuteil wird, mit der Art seines Rücktritts auch die Chance vertan, eine Debatte zu bereichern, die über seine Person hinausgeht. Für Verständnis werben und so helfen, die Erwartungen, die Bürger*innen an ihre Politiker haben, auf ein erträgliches und gegenüber sich selbst ehrliches Maß zu stutzen, das hätte er tun können sollen.

Hinweis: Der Büdinger Kreis e.V. setzt sich seit Jahren in seiner Bildungsarbeit dafür ein, die Welt der Politik mit der Welt der Bürger zu versöhnen, eben Brücken zu bauen. Dies erfordert unserer Erfahrung nach von beiden Seiten, auf einander zuzugehen.

Vielen Dank an Marcus Janz für seine hilfreichen Anmerkungen zu diesem Beitrag.
 

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Ende 2013 wieder Fortbildungen zu den Demokratiewerkstätten

Auch im 2. Halbjahr 2013 können Sie sich bei der Bildungspartner Main-Kinzig (vhs) in Gelnhausen wieder wie gewohnt zum Thema Demokratiewerkstätten fortbilden. Es gibt wieder eine Teamerschulung und eine spezielle Lehrerfortbildung. Die Termine sind: Teamerschulung für Ehrenamtliche am 3. Dezember 2013, 19.00-21.15 Uhr (Kursnummer 1058250, Onlineanmeldung hier möglich); Lehrerfortbildung am 7. November 2013, 14.00-17.00 Uhr (Kursnummer 5085010, Onlineanmeldung hier möglich). Die Kursgebühr beträgt € 5,00 und beinhaltet das Schulungsmaterial. Anmeldungen sind auch telefonisch (06051-91679-12) oder per Mail an die BiP möglich.

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DW des LOG Bruchköbel macht Projekttag gegen Extremismus

Eigentlich hätte der von der Demokratiewerkstatt (DW) am Georg-Christoph-Lichtenberg-Oberstufengymnasium (LOG) in Bruchköbel geplante Projekttag gegen Extremismus bereits im August 2012 stattfinden sollen. Wegen schulischer Terminschwierigkeiten wurde er dann aber noch einmal verschoben, um nun, im Februar 2013 endlich durchgeführt werden zu können. Der Projekttag ist inhaltlich noch Bestandteil des Projekts „Demokratisierung erfahren – Extremismus entgegen treten (DE-EE)“, das der Büdinger Kreis zusammen mit der Bildungspartner Main-Kinzig (vhs) und dem Landesverband Hessen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. 2011 und 2012 erfolgreich durchgeführt hat und das vom BMFSFJ im Rahmen des Programms „Demokratie stärken“ gefördert wurde.

Den Projekttag gestalteten die Schüler*innen der DW gemeinsam mit Alexander Wicker vom BK in sechs unterschiedlichen Workshops, die z. T. zweigleisig angeboten wurden, so dass sich die Schüler*innen schließlich in insgesamt zehn Workshops einwählen konnten, was auch der Stärke der 11. Jahrgangsstufe, immerhin gut 180 Schüler*innen, gerecht wurde. Die Workshops wurden größtenteils von Lehrer*innen des LOG geleitet, jedoch nicht ausschließlich. Auch Schüler*innen der DW gestalteten eigenständig einige der Workshops.

Ziel der Veranstaltung war es, das Thema Extremismus von so vielen Seiten wie möglich zu betrachten und anzugehen, um ein möglichst breites Bild des gesellschaftlichen Phänomens zu gewinnen und in den Ergebnissen auch aus Schülersicht nachzuzeichnen.

Künstlerisch Interessierten beispielsweise kamen die Workshops „Fotogalerie“, „Musik-„ und „Theaterwerkstatt“ sicherlich besonders entgegen. Hier wurden Fotostories entworfen und dokumentiert, dort ein eigener Song komponiert, getextet, instrumentiert, eingeübt und zur Uraufführung gebracht, wieder dort verschiedene, selbst erstellte kleine szenische Improvisationen erarbeitet.

Schüler*innen des LOG während des Projekttages

Schüler*innen des LOG während des Projekttages

Etwas theoretischer ging es dagegen in zwei anderen Workshops zu: „Propaganda entschlüsseln: Text- und Filmanalyse“ und „Political Correctness und der Umgang mit Extremismus“. Dort analysierten die SchülerInnen u. a. Propagandatexte und -videos und diskutierten über das Wechselspiel zwischen Phänomenen wie „Political Corretness“ und Vorurteilen. Ihre Ergebnisse fassten sie in Plakatpräsentationen zusammen.

Im Rollenspiel „Ein islamisches Kulturzentrum in unserer Stadt“ schließlich bekamen die Teilnehmer*innen feste Rollen, in die sie sich einarbeiteten, um sie anschließend in einer fiktiven Podiumsdiskussion zur Eröffnung eines islamischen Kulturzentrums zu verkörpern.

Die Schüler*innen der Jahrgangsstufe 11 hatten jeweils vier Schulstunden Zeit, in den Workshops zu arbeiten und sich auf die Abschlusspräsentationen vorzubereiten. Ein wenig hat dabei sicher die „Musikwerkstatt“ mit der Welturaufführung ihres englischsprachigen Songs gegen Extremismus herausgeragt. Die Schulleitung zeigte sich beeindruckt von der Begeisterung, mit der alle Schüler*innen in ihren jeweiligen Workshops konzentriert an einem Thema gearbeitet und es zum Abschluss gebracht hatten.

Großen Applaus gab es vom kompletten Jahrgang für die Organisator*innen der DW. Und auch der Vorstandsvorsitzende des BK, Alexander Wicker, zeigte sich begeistert: „Wer politische Bildung für verstaubt und trocken hält, hat die Demokratiewerkstätten noch nicht erlebt. Was Jugendliche für Jugendliche hier auf die Beine stellen, wie sie Politik für ihre Mitschüler erlebbar machen, das ist einfach großartig.“

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